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Wie wirkt das systemische Konzept?

Ein systemisch arbeitender Coach und Supervisor nimmt gegenüber dem Klienten eine loyale und wertschätzende Haltung ein. Die Beziehung zum Klienten ist durch einen offenen und vertrauensvollen Dialog gekennzeichnet. So werden die Ressourcen des Klienten genutzt und verstärkt, um kreative Lösungen zu ermöglichen. Das beinhaltet Respekt gegenüber dem Menschen und seiner Problemlage, aber auch intensives Hinterfragen von bisherigen handlungsleitenden Ansichten und Entscheidungen. Mit dieser Haltung, geprägt von Neugier und Anerkennung, können soziale Prozesse in unterschiedlichen Zusammenhängen reflektiert werden. Die Transparenz des Vorgehens und die Verschwiegenheit gegenüber Dritten sind selbstverständliche Beratungsprinzipien.

Für eine erfolgreiche Beratung stehen aus systemischer Sicht eine Vielzahl von Methoden zur Verfügung, die geeignet sind, sinnvolle und erfolgreiche Lösungen für und durch den Klienten zu erbringen und Veränderungsprozesse zu initiieren. Zu diesen Methoden zählt das zirkuläre, ressourcen- und lösungsorientierte Fragen, Kommentieren, Reflektieren, aber auch die Arbeit mit Skulpturen, Genogrammen, figürlichen Darstellungen oder die Nutzung von Zeitlinien.

Diese Methoden bringen den Klienten zur Auseinandersetzung mit seiner Sicht auf die Wirklichkeit. Er wird seine Selbstbeschreibung prüfen. Die Prüfung setzt eine Änderung von Verhaltensweisen in Gang.

Das Hinterfragen von Wirklichkeiten erzeugt zugleich Chancen für Veränderung und Entscheidung. Es ist unmöglich, Fragen zu stellen, ohne damit zugleich bei den befragten Personen eigene Ideen anzustoßen. Antworten auf Fragen erzeugen neue Informationen, die einen bedeutsamen Unterschied zu bisherigen Beschreibungen darstellen können.

Der systemische Ansatz strebt das Einnehmen von Außenperspektiven in Bezug auf die Problemsituation an. Durch den Vergleich mehrerer Blickwinkel entsteht eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten. „Von außen“ auf eine Situation zu blicken, ermöglicht dem Klienten, Verhalten, Spielregeln und Zielrichtungen eines Geschehens anders zu beschreiben und hilft bei der Entscheidung, welche Strukturen und Verhaltensmöglichkeiten verändert und welche beibehalten werden sollen. Der Klient erkennt seine spezifischen Ressourcen und Handlungsoptionen.

Der systemische Coach und Supervisor respektiert den Klienten als „Experten seiner selbst“. Der Coach ist weniger Experte für „die Sache“, als vielmehr Experte für die Ingangsetzung hilfreicher Prozesse. Er ermöglicht Dialoge und Gespräche, in denen unterschiedliche Auffassungen über die Situation und unterschiedliche Wirklichkeitskonstruktionen beschrieben werden. Alternative Möglichkeiten können in geschütztem Rahmen besprochen werden.

Die bisherige Sichtweise des Klienten auf ein Problem steht der Haltung des Coachs, Supervisors oder Beraters gegenüber, die dargestellte Wirklichkeit zu hinterfragen und seiner Bereitschaft, die vorgegebenen und dargestellten Konstruktionen wieder aufzulösen. Schon die Beschreibung einer Situation aus mehreren Perspektiven ist Dekonstruktion. Dekonstruktion erlaubt darüber nachzudenken, welche Geschichte sich hinter einer dominierenden Erzählung verbirgt: Wo liegt alternatives Wissen, welche Gesichtspunkte wurden ausgelassen?

Coaching und Supervision heißt, weitere, zusätzliche Gedanken zu erzeugen und damit Komplexität und Vielfalt anzubieten, aus denen sich die Klienten neuen Sinn konstruieren können. Der Mensch als souveränes und aktiv denkendes Lebewesen hat die Fähigkeit zur Suche nach alternativem Wissen stets in sich. Die systemische Herangehensweise unterstützt dabei, Lösungsmöglichkeiten zu erweitern.

Systemische Coaches und Supervisoren sind neugierig auf die Eigenlogik ihrer Klientensysteme und beachten deren Nützlichkeit für die Lebenspraxis der Klienten. Weitere, ebenfalls mögliche Verhaltens-, Denk- und Fühlweisen werden hypothetisch durchgespielt, um so die Zahl der Handlungsalternativen zu vergrößern. So wird das System darin unterstützt, von einem als unbefriedigend erlebten Zustand in einen anderen, erfolgversprechenden überzugehen.

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